Anne Webers Epos : Wie man den Charakter Widerstandskämpferin am besten schildern kann / La geste d’Anne Weber : Conter le tempérament d’une résistante

Anne Webers Epos : Wie man den Charakter einer Widerstandskämpferin am besten schildern kann

La geste d’Anne Weber : conter le tempérament d’une résistante

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust. Parce qu’il y a surement une présence germanique dans votre arbre généalogique, La Pépinière fusionne deux grandes régions linguistiques suisses et vous propose des articles culturels pour une (re)découverte de l’allemand.

Pour vous, l’allemand, c’est … et c’est à vous de jouer, dans les deux langues ! (Et qu’on ne se préoccupe pas des fautes !) Expliquez-nous votre choix en bref en allemand et ce qui vous a plu, en détail, en français !

Illustrez votre coup de cœur, parlez-nous d’un Renner, Knaller oder Kleinod, les pieds en éventail, confortablement posés sur le fauteuil d’Oma & Opa.

Notre pigeon de la Pépinière tient à son perchoir, mais non le crachoir !

***

Anne Webers Epos : Wie man den Charakter einer Widerstandskämpferin am besten schildern kann

Warum Annette, ein Heldinnenepos von Anne Weber?

Wann haben Sie zuletzt ein Epos gelesen? Etwa die Ilias, Odyssee, das Nibelungenlied oder eventuell noch Goethes Herrmann und Dorothea? Das ist sicher lange her! Und nun ein Epos im 21. Jahrhundert! Geht das? Ja, es geht, es ist sogar ein herzbewegendes, faszinierendes Lesevergnügen! Selbst in die eigenwillig wie Verse angeordneten Zeilen liest man sich schnell ein. Man kann sie einfach wie Prosa lesen – sie haben weder Reime noch festgelegten Rhythmen – man kann aber auch einen inneren Tonfall suchen, entdecken, dass die Anordnung – zum Beispiel durch Zeilensprünge – auf Schlüsselbegriffe hinweist, Akzente setzt. Der Erzählton ist weder künstlich noch gewollt abgehoben. Quicklebendig, anschaulich, ernst, nachdenklich, auch poetisch, mit Freude an Ironie, lakonischen Formulierungen, Sprachspielen, umgangssprachlichen Wendungen springt Anne Weber kunstvoll von einer Ebene zur anderen.

« Sie hat glückliche Eltern, möchte man

Behaupten, aber ist das den richtig und

So allgemein gesprochen möglich?

Heisst es nicht immer, einen Glückszustand gäbs

Höchstens für Momente? Sie aber sind glücklich

Jederzeit, und wer Beweise hat fürs Gegenteil, der

Möge widersprechen, jetzt ist dazu Gelegenheit.» (S. 9)

Der Leser folgt ihr dabei mit Anteilnahme, Freude, Vergnügen. Aber worum geht es in diesem Epos? Um eine Lebensgeschichte, eng verbunden mit den Zeitereignissen, eine Geschichte, die zeigt, wie sich ein Leben nach den ihm innewohnenden Gesetzen entwickelt. Im Mittelpunkt steht „eine Heldin“, wie der Titel das andeutet, und zwar in doppelter Gestalt. Da ist einmal die Französin Anne Beaumanoir, über 90 Jahre alt, die in Südfrankreich in dem kleinen Ort Dieulefit – Gott hat’s gemacht – lebt. Der symbolträchtige Name gefällt der Erzählerin, die uns durch das Epos führt, gut, er passt zu Anne, von der sie sagt: Sie glaubt nicht an Gott, aber er an sie, | Falls es ihn gibt, so hat er sie gemacht. Als Anne Weber die alte Dame kennen lernt, ist sie sofort von ihrem Leben, ihrer Ausstrahlung wie verzaubert. Sie weiß bald: das ist mein Stoff, das muss ich erzählen. Sie weiß aber auch, dass es hier, bei einem noch lebenden Menschen, einer besonderen Form bedarf, die sowohl Diskretion als auch ein wenig bewundernde Überhöhung erlaubt. Die Form findet sie im Epos.

Mit 13 ist Annette Pazifistin, mit 15 will sie lieber Terroristin sein, mit 19 tritt sie in die kommunistische Partei ein, sie sehnt sich nach Gefahr, Opfer, Heldentaten. Das findet sie in der Résistance, dem Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht. Sie stellt sich mit allen Konsequenzen zur Verfügung, ist sogar bereit, das Kind, das sie erwartet, zu opfern. Jetzt ist nicht die Zeit für Kinder, jetzt ist die Zeit zu kämpfen.

Aber der Krieg endet, die Arbeit in und für die kommunistische Partei bietet nur Enttäuschungen, Ernüchterung. Annette findet sich in einem „Jedermanndsleben“ wieder: Medizinstudium, Ärztin, Heirat, zwei Söhne – Wohlstand und Anerkennung – beruflich und sozial. Ist sie zufrieden? Die Erzählerin wagt es nicht, die Frage zu beantworten. Das muss das Leben tun. Auf einer Reise nach Algerien, 1954, die eigentlich eine Ferienreise sein soll, erlebt sie aufwühlende, schockierende Situationen, Verhaltensweisen, Stimmungen: ihre Landsleute, Franzosen, verhalten sich mit bedenkenloser, brutaler Selbstverständlichkeit den Einheimischen gegenüber – immerhin 9/10% der Bevölkerung – wie Herrenmenschen. Sie betrachten die Algerier als unzivilisierte, minderwertige Menschen, die kein Anrecht auf Achtung, Gleichberechtigung, Würde haben. Franzosen treten die Ideale von liberté, égalité, fraternité mit Füßen! Feindschaft, Auflehnung, Hass entwickeln sich immer schneller. Zurück in Frankreich schließt sie sich sofort einer Gruppe an, die „die algerische Sache“ unterstützt. Wieder ist sie zu jedem Einsatz bereit. Allerdings geht es ihr nicht um das Land, sie kennt es ja kaum, es geht ihr um das Prinzip und die Ideale. Ihr Leben hat seinen roten Faden wiedergefunden.

Wie blickt Annette auf ihr Leben zurück? Die Erzählerin drückt es so aus:

„…sie trägt den Irrtum, der ein

Schmerz geworden ist, mit sich herum und

wälzt ihn auf den Hügel ihrer Jahre, und aus

dem Hügel wird ein Berg, denn jedesmal, wenn

sie sich auf dem Gipfel angekommen glaubt,

versteckt sich hinter ihm ein neuer Grat, den

sie mit ihrer Last erklimmen muss. So geht es

hundert Jahre.“ (S. 150)

Das Bild der griechischen Sagengestalt taucht hier auf, Sisyphus, der verurteilt war, einen Stein auf einen Berg zu stemmen, einen Stein, der kaum oben angekommen, schon wieder herabrollte. Wie ist das Bild zu deuten? Ist es ein Bild für eine nutz- und sinnlose Arbeit, für ein Versagen? Oder kann man es auch anders sehen? Hat nicht jeder Mensch einen Stein zu stemmen, eine Aufgabe zu lösen, mit der er kämpfen muss, die er bewältigen, erfüllen will, auch wenn es Mühe und Anstrengung ohne Ende bedeutet. So hat Albert Camus es gesehen, auf den die Erzählerin sich bezieht, wenn sie sagt, für sie habe Annette mit ihrer Existenz etwas erhellt, was Camus von Sisyphus sagt:

„… Der Kampf, das

andauernde Plagen und Bemühen hin zu

großen Höhen, reicht aus, ein Menschenherz zu füllen.

Weshalb wir uns Sisyphus am besten

glücklich vorstellen.“(S. 150)

 Das Streben zu „großen Höhen“, zu einer freieren gerechteren, brüderlichen Welt ist es, was Annettes Herz erfüllt, was ihr Kraft gegeben hat und was sie – trotz Irrtum, Versagen – zu einer Heldin macht, die aber auch die Sisyphus-Erfahrung kennt. Dadurch ist sie beeindruckend, ermutigend.

Mary Breckwoldt

… Et en français!

La geste d’Anne Weber : conter le tempérament d’une résistante

Annette, ein Heldinnenepos chez Matthes & Seitz ou Annette, une épopée, publiée en français au Seuil en 2020 est une épopée moderne et surprenante, tant elle ne vous lâchera pas les basques avant que la dernière page n’ait été entamée.

L’épopée… une forme littéraire qui pourrait effrayer, au même titre qu’un sonnet de Ronsard, ou un monologue en alexandrins de Racine, non ? Voilà qu’Anne Weber inverse la vapeur de nos craintes, en proposant l’histoire d’Anne Beaumanoir – ou Annette –, ses hauts faits, ses échecs et ses honorables décisions dans un format épique qui emballe. Rappelons-le : les épopées sont de longs poèmes, souvent en prose, qui, à la différence de leurs voisins lyriques et dramatiques, sont destinés à être chantés, et non récités. Le texte d’Anne Weber – vous le remarquerez bien vite – s’y prête excellemment bien. De nombreux enjambements, des jeux de mots, des répétitions… et sans peine, vous vous surprendrez à le chantonner.

L’Histoire est une donnée essentielle de l’épopée, qui l’aborde par l’évocation des actions d’un héros … ou d’une héroïne. L’épopée qui se dessine autour de la française Annette est émaillée des moments forts de la Résistance dans les rues basses de Paris, en Bretagne, dans le Sud… Annette est résistante et le sera toujours, puisque ce vœu s’est inscrit en elle, allant jusqu’à faire taire celui de fonder une famille avec son résistant de cœur.

Anne Weber a rencontré Annette, qui lutte depuis ses 19 ans. D’abord dans la Résistance communiste à Rennes, à Lyon, puis plus tard au sein du mouvement indépendantiste de l’Algérie. L’auteure est très bien renseignée et l’on apprend beaucoup sur cette longue période de combats contre un pouvoir arbitraire. Anne Weber est en outre fascinée par le caractère infatigable d’Annette. Elle aurait pu, comme d’autres, terminer ses études de médecine, se marier et vivre en toute légèreté. Mais non. Ainsi, l’auteure retrace à la fois les doutes de sa protagoniste, mais aussi les changements cruciaux qu’elle était prête à faire pour servir sa cause.

« Verloren in unruhigen Gedanken läuft sie die Strasse runter, Rue du Moulin de la Pointe, Avenue d’Italie, und sieht über das ganze Land, über den ganzen Kontinent vertreut Verschläge Keller Speicher, in denen Menschen hocken und mit eingefallenen Gesichtern auf sie warten. » (Annette, ein Heldinnenepos, p. 36)

« Perdue dans des pensées agitées, elle descend jusqu’au bas de la rue, Rue du Moulin de la Pointe, Avenue d’Italie, et voit le pays, le continent dans toute leur ampleur et, avec eux, des réduits caves greniers, dans lesquels des Hommes accroupis, au visage creux, l’attendent. » (Traduction du texte allemand, L.H.)

La force du texte réside, entres autres, dans le panorama que propose Weber au sujet des émotions vécues par Annette – une interprétation soulignée par le dessin d’Anne Pélissier. (Oui, honneur aux ambitieuses Anne dans cet article !)

Anne Weber revient souvent sur la notion d’héros, notion centrale pour l’épopée. Il s’agit en effet de glorifier un personnage hors du commun. Pourtant, l’auteure s’attache à proposer un personnage modeste, dont elle retrace le vrai destin. Elle n’oublie pas d’aborder les peurs de son héroïne, les déchirements, lorsqu’il faut couper tout contact avec la famille pour rester dans l’anonymat. Narratrice omnisciente, elle parle à plusieurs reprises à la place d’Annette, apostrophe son lectorat. En d’autres termes, elle rend le texte très vivant, et l’Histoire avec.

«Ihr ganzes neues Leben ist recht schön und gut. Die Kinder sind das Liebste, was sie hat (…), die Ehe auch, mit sogenannten Hochs und Tiefs, zu denen Ehen nun mal neigen, die Arbeit interessiert sie, auch wenn ihr Traumberuf dann vielleicht doch ein anderer gewesen wäre, aber welcher? Abenteurer, Umstürzler ? Barrikadenkämpfer?» (Annette, ein Heldinnenepos, s. 95-96)

« Sa nouvelle vie est vraiment bien et belle. Les enfants sont ce qu’elle adore le plus, le couple aussi avec ses hauts et ses bas – vers lesquels tendent tous les couples, le travail l’intéresse, sans être toutefois son métier de rêve qui aurait pu être un autre, mais lequel ? Aventurier, révolutionnaire ? Combattant des barricades ? » (Traduction du texte allemand, L.H.)

Un aspect particulier, voire amusant dans le texte, est d’observer avec quelle liberté l’auteure place des termes français au fil du texte allemand, comme pour insister sur l’imbrication de ces deux langues dans sa vie, mais aussi dans celle de l’Histoire d’Annette, pour qui l’allemand était d’abord signe de danger.

Et puis, après avoir (re)goûté à l’épique, peut-être vous tournerez vous vers des épopées plus populaires et classiques comme la Chanson des Nibelung. C’est aussi d’Allemagne dont elle est originaire, mais il n’y a rien à craindre…

Laure-Elie Hoegen

Repères temporels : Anne Weber, après avoir étudié à la Sorbonne dans les années 80, ne retournera pas en Allemagne, mais s’installe en France avec un cœur bilingue. L’auteure s’assure que ses ouvrages paraissent toujours dans les deux langues – dont elle est la traductrice. Cette tactique linguistique a débuté avec son premier manuscrit, d’abord écrit en français, puis repris en allemand afin que sa famille aussi puisse le lire ! Anne Weber honore ses deux casquettes – auteure et traductrice littéraire – avec brio.

Références : 

Pour l’oeuvre en allemand et en français.

Références:

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos. Deutscher Buchpreis 2020, Matthes & Seitz, Berlin.

Dessins : © Dona Martin, Anne Pélissier

Laure-Elie Hoegen

Nourrir l’imaginaire comme s’il était toujours avide de détours, de retournements, de connaissances. Voici ce qui nourrit Laure-Elie parallèlement à son parcours partagé entre germanistique, dramaturgie et pédagogie. Vite, croisons-nous et causons!

Laisser un commentaire

Votre adresse e-mail ne sera pas publiée. Les champs obligatoires sont indiqués avec *