Lorelei… und du gehst auf den Gipfel!

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust. Parce qu’il y a sûrement une présence germanique dans votre arbre généalogique, La Pépinière fusionne deux grandes régions linguistiques suisses et vous propose des articles culturels pour une (re)découverte de l’allemand.

Pour vous, l’allemand, c’est… et c’est à vous de jouer, dans les deux langues ! (Et qu’on ne se préoccupe pas des fautes !) Expliquez-nous votre choix en bref en allemand et ce qui vous a plu, en détail, en français !

Illustrez votre coup de cœur, parlez-nous d’un Renner, Knaller oder Kleinod, les pieds en éventail, confortablement posés sur le fauteuil d’Oma & Opa.

Notre pigeon de la Pépinière tient à son perchoir, mais non le crachoir !

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Lorelei… und du gehst auf den Gipfel!

(Teil I)

« Die Loreley, bekannt als Fee und Felsen,
ist jener Fleck am Rhein, nicht weit von Bingen,
wo früher Schiffer mit verdrehten Hälsen,
von blonden Haaren schwärmend, untergingen.
Wir wandeln uns. Die Schiffer inbegriffen.
Der Rhein ist reguliert und eingedämmt.
Die Zeit vergeht. Man stirbt nicht mehr beim Schiffen,
bloß weil ein blondes Weib sich dauernd kämmt.»

(Erich Kästner, « Der Handstand auf der Loreley »)

« La Lorelei, à la fois fée et rocher,
Se tient sur le Rhin, près de Bingen. Là-bas
Où autrefois, la tête à l’envers, un batelier
Subjugué par ses cheveux blonds, se noya.
Nous changeons. Y compris les bateliers.
Le Rhin est canalisé et régulé.
Le temps passe. Quand on navigue, on ne meurt plus
Car une femme blonde se peigne l’occiput. »

( « Le poirier sur la Loreley »)

« ‘O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin.’
So reich geschmückt ist Roß und Weib,
So wunderschön der junge Leib,
Jetzt kenn’ ich dich – Gott steh’ mir bei!
Du bist die Hexe Lorelei.»

(Joseph von Eichendorff, « Waldgespräch »)

«“Ah fuis ! Tu ne sais qui je suis.”
Si richement paré l’équipage
Et sublime le jeune corps…
– Je te connais ! Dieu me soutienne !
Tu es Loreleï – l’enchanteresse. »

(«Conversation en forêt»)

Warum die Lorelei?

Es ist spät und die letzten Lichter einer langen Festnacht auf der Reeperbahn flackern noch in der Nacht auf. Der Geist taucht auf aus den unscharfen Sphären, welche die laute Musik davor erschuf. Und nun die Stille, die Erinnerungen. Einmal sassen wir alle am feierlichen Tisch, als einer der Gäste aufstand. Ich bezweifle, dass er in diesem Augenblick nur vorhatte, zu bramarbasieren. Er begann das Lied von der Loreley zu deklamieren, mit Scharm, Genauigkeit und Eloquenz, welches Heinrich Heines Feder 1824 verfasste. 196 Jahre später betitelt Laurent Voulzy sein neues Lied auch Loreley. Wie viele Gedichte, Lieder von der Loreley gibt es denn?

Kurz gesagt:

Es ist kaum möglich, alles aufzuspüren. Aber Eines lässt sich schnell feststellen: die Lorelei auf ihrem Felsen ist eine Verbrecherin. Ganz zu schweigen von den Schiffern, denen sie den Geist verwirrt, – benebelt, verführt, auf Abwege bringt – sie sind unfähig ihr zu widerstehen… Tja, aus die Maus!

Das Gedicht von Eichendorff (1815) bringt die Gefahr sehr gut zum Ausdruck, indem es eine facettenreiche Lorelei zeigt, welche eine Art traurige Maskerade spielt, um ihre Beute besser zu fangen.

« Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Was reit’st du einsam durch den Wald?
Der Wald ist lang, du bist allein,
Du schöne Braut! Ich führ’ dich heim!
„Groß ist der Männer Trug und List,
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
Wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin.“»

(Joseph von Eichendorff, « Waldgespräch »)

« Il est bien tard, il fait bien froid ;
Pourquoi chevaucher seule dans le bois ?
Le bois est grand, tu es bien seule,
Belle épousée, je te reconduis.
– Grande est la malice des hommes,
De peine mon coeur fut brisé,
Entends-tu le cor ici et là ?
Ah fuis ! Tu ne sais qui je suis. »

( «Conversation en forêt»)

Lorelei ist eben jene bösartige Frauengestalt, die an verschiedenen Naturschauplätzen zu treffen ist: auf einem Felsen über dem Rhein, in den Waldtälern, in alten Burgruinen, da wo das Herz der Romantik pocht. Sie nimmt verschiedene Formen an: Manchmal spielt sie die Rolle des Echos im gefährlichen Flusstal, manchmal verkörpert sie die Angst, welche einen überkommt, wenn man sich nachts verläuft und die Augen wilder Tiere wahrnimmt. In diesem Sinne gilt für mich Lorelei eher als ein Symbol des Über-Sich-Selbst -Hinauswachsen als eine Gefahr: Sie deutet zwar auf die Gefahr hin, begleitet aber auch den Menschen auf einem neuen Weg, den er gehen muss. Im Jahre 1932 spielt Erich Kästner in seinem Lied Der Handstand auf der Loreley auf diese Idee der Selbst-Überwindung an und bietet damit eine neue humorvolle Perspektive für die Lorelei an. Die Lorelei verdreht im wahrsten Sinne des Wortes einem Turner den Kopf, als er die Füsse nach einem Handstand nicht mehr auf den Boden bekommt. Da fragt man sich, ob der Mensch auf manche Herausforderungen verzichten sollte oder ob er doch nicht mehr Vertrauen mit dem Blick nach vorn zeigen könnte und die Lorelei hinter ihren Felsen wegjagen müsste?

« Erst neulich machte auf der Loreley
hoch überm Rhein ein Turner einen Handstand!
Von allen Dampfern tönte Angstgeschrei,
als er kopfüber oben auf der Wand stand.»

(Erich Kästner, « Der Handstand auf der Loreley »)

« Récemment, sur la Lorelei, un gymnaste a effectué,
Tout en haut au-dessus du Rhin, un poirier !
Tous les bateaux à vapeurs lançaient des cris d’effroi
Quand sur la paroi, on le vit tête en bas. »

(« Le poirier sur la Loreley »)

Laure-Elie Hoegen

Repères temporels : Eichendorff (1788 – 1857) est baron et grand poète du Romantisme allemand. Il rencontre, à la fin du XVIIIe et au début du XIXe siècle, Heinrich von Kleist et Clemens Brentano à Berlin. C’est, entre autres, grâce à lui que les forêts allemandes deviennent des lieux mythiques.

Infos pratiques : 

Le poème en entier de Kästner est disponible par ici en allemand. Par ici, en français.

Kästner, Erich, «Der Handstand auf der Loreley», in: Ders. Gesang zwischen den Stühlen, Deutscher Taschenbuch Verlag, Lizenzausgabe des Cecilie Dressler Verlags, 6. Auflage, München 1989 [1932]. Disponible ici.

Le poème d’Eichendorff est ici en allemand ou ici en français.

Joseph von Eichendorff: «Waldgespräch», in: Werke. Erster Theil. Gedichte. Nach den Ausgaben letzter Hand unter Hinzuziehung der Erstdrucke herausgegeben von Ansgar Hillach, Bd. 1-3, München: Winkler, 1970 ff. Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie des Autors. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2016.

Photo : © Dessins d’Anne Pélissier

Laure-Elie Hoegen

Nourrir l’imaginaire comme s’il était toujours avide de détours, de retournements, de connaissances. Voici ce qui nourrit Laure-Elie parallèlement à son parcours partagé entre germanistique, dramaturgie et pédagogie. Vite, croisons-nous et causons!

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